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Donnerstag, 2. Dezember 2010

Blu-Ray Kritik: Fantasia 2000


Regie: James Algar, Gaetan Brizzi, Paul Brizzi, Hendel Butoy, Francis Glebas, Eric Goldberg, Don Hahn, Pixote Hunt
Drehbuch: Eric Goldberg, Joe Grant, Perce Pearce, Carl Fallberg, uva.
Laufzeit: 74 Minuten
freigegeben ab: 0 Jahren
Trailer: hier

Extras:

  • Musicana
  • Dali & Disney: Wie Destino entstand
  • Destino
  • 2 Audiokommentare

Filmkritik:

Eigentlich war es ja mal geplant, den ersten Fantasia-Film alle 5 Jahre neu aufzuführen und immer wieder vereinzelt Stücke des Films gegen neuere Kurzfilme auszutauschen. Da der erste Film wie auch andere Filme Disneys Anfang der 40-er finanziell jedoch enttäuschte, wurde dies bereits nach dem ersten Film zu den Akten gelegt. Später wurde zwar immer mal wieder versucht, den Film neu aufleben zu lassen, doch erst 2000 konnte eine neue Generation von Kinogängern eine Neuaufführung von Fantasia erleben.
Da mittlerweile jedoch knapp 60 Jahre zwischen den beiden Filmen lag, entschied man sich dafür, sich fast komplett auf neue Kurzfilme zu spezialisieren und nur noch die beliebte Episode mit Mickey Maus in den neuen Film mit einzubauen. Ansonsten änderte sich aber recht wenig. Gleich am Anfang wird deutlich, dass man wieder verschiedene Arten Animationen erwarten darf. So fängt der Film auch ähnlich wie der erste Film an und präsentiert erstmal ein Musikstück, dessen Animation komplett abstrakt daherkommt. Dem folgt dann mit "Pinien von Rom" ein Stück, welches von den Disneyzeichern komplett anders intepretiert wird als man es eigentlich erwarten dürfte. Ähnliches geschah in Fantasia auch schon mit der Nussknackersuite. Man könnte sogar fast sagen, dass man die Einleitung des Erzählers fast wortwörtlich übernommen hat. Gegenüber des ersten Fantasias gibt es hier jedoch keinen einzelnen Erzähler, sondern es wurden verschiedene Leute wie Steve Martin, Bett Midler oder Angela Lansbury verpflichtet, die jeweils ein Stück des Films vorstellen dürfen und auch Mickey hat wieder seinen kleinen Gastauftritt. Die Erzählung ist hier jedenfalls besser gelungen als noch im Vorgänger und ist nicht länger als umbedingt nötig. Selbst auf humoristische Momente wird hier größtenteils verzichtet.
Die wichtigste Frage bleibt jedoch, ob es der Film mit seinem berühmten Vorgänger aufnehmen kann und diese Frage kann durchaus positiv beantwortet werden. Die einzelnen Animationsfilme sind abwechslungsreich gestaltet und animationstechnisch auf konstant hohem Niveau. Natürlich muss man aber auch anmerken, dass sich die Zeiten mittlerweile verändert haben. Während Fantasia noch eine Laufzeit von über 2 Stunden aufweisen konnte, so ist bei seiner Fortsetzung bereits nach knapp über einer Stunde Schluss. Zum einen liegt es zwar auch daran, dass man bei den Erzählern schneller zur Sache kommt, aber auch die Laufzeit der Kurzfilme ist gegenüber jenen des Vorgängers relativ kurz. Während "Pinien von Rom" und "Rhapsody in Blue" noch eine solide Laufzeit aufweisen kann, so wird die Laufzeit später immer knapper. "Karneval der Tiere, Finale" dauert beispielsweise nur noch 2 Minuten.
Dafür bekommt diesesmal aber auch noch Donald Duck seinen großen Auftritt und auch wenn sein Kurzfilm gut gelungen ist, so wird der Kurzfilm wohl nie den Kultstatus genießen wie der von Mickey als Zauberlehrling. Dafür ist der Film auch etwas zu kitschig und humorvoll geraten. Da ist man bei Mickey noch etwas dezenter vorgegangen. Deshalb gehört die Episode auch nicht unter die Top 3 der neuen Kurzfilme. Einen Platz dort verdient hat sich "Rapsody in Blue", da er animationsmäßig sicherlich den eigenwilligsten Animationsstil sämtlicher Fantasia-Kurzfilme aufweist und trotzdem verdammt unterhaltsam ist. Ansonsten ist aber auch die Geschichte rund um den Zinnsoldaten wirklich schön gelungen und über die Schlusssequenz muss man wohl auch nicht wirklich viele Worte verlieren, wobei diese ähnlich aufgebaut ist wie die aus dem Original-Fantasia.
Allgemein lässt sich jedenfalls feststellen, dass "Fantasia 2000" eine gelungene Fortführung des Originals ist. Er ist zwar an die heutige Zeit angepasst worden, aber er bleibt dem Stil des alten Films durchaus treu. Schade, dass danach schon wieder sämtliche Pläne über eine Fortführung Fantasias über den Haufen geworfen wurde, denn auch "Fantasia 2000" zeigt wie wundervoll Animation sein kann.

Blu-Ray Kritik:

Wie auch schon sein Vorgänger Fantasia sollte auch die Fortsetzung Teil der Diamond Edition werden. Das wurde aber verworfen und so wird man auch auf dieser Blu-Ray ein Making-Of vermissen. Stattdessen gibt es zwei Audiokommentare. Einmal gibt es einen mit Roy Disney, für den es sein Traumprojekt bei Disney war. Deshalb erzählt er auch voller Stolz, wie es zur Realisierung des Films kam und wie man die einzelnen Kurzgeschichten ausgewählt hat. Beim anderen Audiokommentar kommen dann die einzelnen Regisseure der Segmente zu Wort und dank der kurzen Laufzeit der Filme bleibt das auch immer spannend. Alle haben interessante Dinge zu erzählen und es wird sogar Gastauftritte von Mickey und Donald geben, was eher die jüngeren Zuschauer ansprechen wird, aber auch da gibt es einige nette Dinge zu entdecken.
Das eigentliche Herzstück des Bonusmaterials ist aber der Kurzfilm "Destino", zu dem es mit "Dali & Disney: Wie Destino entstand" sogar eine 90-minütige Dokumentation gibt. Destino gehört zweifellos zu den kunstvollsten Kurzfilmen, die je bei Disney entstanden sind und insbesondere mit der Doku dürften hier viele Leute verdammt glücklich werden, denn diese repräsentiert einen grandiosen Rückblick auf die Geschichte Disneys. Es wird beispielsweise auch auf die Package-Filme eingegangen, die sonst ja immer in Vergessenheit geraten, und auch auf finanzielle Probleme, die Disney durchaus mal hatte, wird detailiert drauf eingegangen. Auch wird genau geschildert, wie der Film später wieder aufgenommen wurde und wie er letztlich doch noch festgestellt wurde. Das ist wohl zweifellos das sehenswerteste Extra der beiden Fantasia-Blu-Ray's.
Ansonsten befindet sich auf der Blu-Ray nicht mehr wirklich viel. In Amerika kann man via BD-Live zwar noch massig Material herunterladen, aber das ist für Europa immer noch nicht möglich und wer seinen Blu-Ray-Player nicht ans Internet anschließen möchte, der schaut eh in die Röhre. Deshalb ist das einzig noch erwähnenswerte Extra ein kurzes Special über "Musicana", einem Pendant zu "Fantasia", welches in den 70-ern realisiert werden sollte, dann aber doch eingestellt wurde.
Insgesamt ist die Extra-Auswahl von "Fantasia 2010" abermals sehr lobenswert, wenngleich doch etwas mehr möglich gewesen wäre. Insbesondere auf die Bedeutung von Fantasia und Fantasia 2010 wurde auf beiden Blu-Rays zu wenig eingegangen. Enttäuscht kann man aber trotzdem nicht sein, denn die Doku von Dali und Disney gehört sicherlich zu den besten Extras, die Disney je hergestellt hat. Außerdem gibt es "Fantasia 2000" in bester Bild- und Ton-Qualität, so dass man hier durchaus zugreifen kann, immerhin wird es so schnell keine Neuveröffentlichung des Films mehr geben.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Blu-Ray Kritik: Fantasia


Regie: James Algar, Samuel Armstrong, Ford Beebe, Norman Ferguson, Jim Handley, T. Hee, Wilfred Jackson, Hamilton Luske, Bill Roberts, Paul Satterfield, Ben Sharpsteen
Drehbuch: Joe Grant, Dick Huemer, u.v.m.
Laufzeit: 124 Minuten
freigegeben ab: 06 Jahren
Trailer: hier

Extras:

  • Disney's Familien-Museum
  • Das Schultheis-Notizbuch - Ein Disney-Schatz
  • Kunstgalerie
  • 3 Audiokommentare
  • Disney - View

Filmkritik:

Animationsfilmen wird ja oftmals nachgesagt, dass sie nur als leichte Unterhaltung taugen und für wirklich künstlerische Filme kaum Platz bieten. Das die Leute damit durchaus falsch liegen, zeigen Jahr für Jahr verschiedene Kurzfilme, die sehr viele verschiedene Genres abdecken und auch künstlerisch sehr ausgefallen wirken können. In Animationsfilmen der großen Studios ist das zweifelsohne nur noch bedingt möglich, da dort immer eine zusammenhängende Geschichte existieren muss, der alles andere untergeordnet ist. Anders war dies noch 1940, als Walt Disney einen Film plante, der nur durch klassische Musik und Animation begeistern sollte. Die Rede ist natürlich von Fantasia, einer der ambitioniertesten Filme seiner Zeit.
Es wurden verschiedene klassische Musikstücke herausgesucht und zu diesen sollten die Animatoren zeichnen, was ihnen gerade so einfiel. Teilweise wurde mit der Musik echte Geschichten erzählt, aber teilweise sollte die Animation auch ohne funktionieren. Zusammengehalten wird das ganze dann noch durch einen Erzähler, der jeweils die Geschichte der einzelnen Musikstücke etwas genauer erklärte.
Der Film fängt dann auch recht ruhig an und präsentiert erstmal ein Musikstück von Johann Sebastian Bach, deren Animation noch recht abstrakt ist und keinem größeren Sinn entspricht, abgesehen davon, dass es schön aussieht. Interessanter wird dann schon das zweite Stück "Die Nussknacker-Suite", welches allerdings nicht das gleichnamige Ballett immitiert, sondern uns auf eine Reise durch die vier Jahreszeiten mitnimmt, was sicherlich zu den absoluten Highlights des Films gehört. Danach folgt dann das wohl bekannteste Stück aus Fantasia. Man bekommt nämlich Mickey Maus als Zauberlehrling zu Gesicht und das erste Mal wird eine Geschichte erzählt. Dem Zauberlehrling folgt danach ein Stück von Igor Strawinski, einem Komponisten, deren Arbeit zur damaligen Zeit noch umstritten war. Jedenfalls wird einem in diesem Stück die Evolutionsgeschichte bis hin zu den Dinosauriern gezeigt, was sicherlich lehrreich ist, animationstechnisch aber nicht ganz so spannend ist und wohl auch das Stück ist, was sich am meisten in die Länge zieht. Diesen Stücken folgen dann auch noch Stücke, die sich mit der griechischen Mythologie befassen, einen Tanz der Tiere aufführen oder zur Geisterstunde aufrufen.
Auch wenn diese Stücke alle grundverschieden sind, so bilden sie doch ein großes Ganzes. Sie zollen einerseits der klassischen Musik Tribut, feiern gleichzeitig aber auch ihr eigenes Medium und zeigen, wozu Animation alles in der Lage ist. Die Animationen in dem Film sind nämlich von allerhöchster Qualität. Auch ist es lobenswert, dass Disney den Einzelstücken keine feste Laufzeit gibt, sondern einzelne Stücke gerne auch mal 10 Minuten und länger laufen dürfen. Dies ist insbesondere bei der Nusscracker-Suite oder der 6. Sinfonie von Beethoven lobenswert, da sich die Animatoren hier voll entfalten können. Einzig bei der Evolutionsgeschichte kann sich dabei etwas Langeweile einstellen, da sie animationsmäßig nicht ganz so schön gestaltet ist wie die anderen Kurzfilme und man ihr am meisten ihr Alter ansieht.
Streiten kann man sich über die Funktion des Sprechers im Film, da die Animationssegmente deutlich interessanter sind als nun der Dialog. Allerdings hält dieser die Kurzfilme erst so wirklich zusammen und ohne würde das wohl nicht so gut zusammenpassen. Einzig ein paar humoristische Momente stören hier, da man eigentlich möglichst schnell den nächsten Kurzfilm sehen möchte und man auf Humor hier sehr gut verzichten kann.
Insgesamt zählt Fantasia aber zu den wohl interessantesten Projekten, die im Animationsbereich je hervor gebracht wurden und darüber hinaus ist es auch ein verdammt guter Film, der auch heute nichts von seiner Magie verloren hat. Umso trauriger ist es daher, dass es diese Art von Animationsfilm heute kaum noch gibt.

Blu-Ray Kritik:

Bis vor einem halben Jahr war Fantasia noch Teil der Diamond Edition, welche die wichtigsten Werke der "Walt Disney Animation Studios" repräsentiert. Aus nicht näher bekannten Gründen, wurde der Film jedoch aus dieser gestrichen und erschien nun als sogenannte Special Edition, die im Gegensatz zu der Diamond Edition jedoch über weniger Extras verfügt. So fehlt der Blu-Ray beispielsweise ein Making-Of. Stattdessen gibt es nur zwei kürzere Featurettes über ein Museum, welches wichtige Werke aus der Zeit Disneys ausstellt, wie auch das Schultheis-Notizbuch, in der viele Notizen über die Entstehung von Fantasia enthalten sind. Das ist durchaus interessant, aber leider gibt es keine Statements von bekannten Animatoren, die sich bezüglich Fantasia äußern, obwohl der Film einen besonderen Platz in der Geschichte Disney's genießt.
Entschädigt wird man dann allerdings dadurch, dass der Film gleich drei Audiokommentare enthält, die alle ein anderes Konzept verfolgen. Als erstes ist dabei der Audiokommentar von Brian Sibley zu nennen, der viele Fakten zum Film herunterrattert. Das ist durchaus interessant, aber man muss auch genau aufpassen, dass man nicht was wichtiges verpasst. Den Audiokommentar mehrfach zu hören, wäre sicherlich keine schlechte Idee. Der zweite Audiokommentar besteht dann zum Großteil aus Archivaufnahmen von Walt Disney selbst, der etwas genauer sagt, was Fantasia für ihn bedeutet und wie er sich dessen Umsetzung vorstellte, was sicher einige interessieren dürfte. Der letzte Audiokommentar wurde dann von Roy Disney und einigen Historikern eingesprochen und ist wohl als Fan-Audiokommentar abzuhandeln, da diese hier ihre Werstschätzung für Fantasia offenlegen. Wirklich neue Fakten erfährt man dadurch zwar nicht, aber es ist trotzdem schön, dass es auch noch ein etwas lockerer Audiokommentar auf die Blu-Ray geschafft hat.
Abgeschlossen wird die Blu-Ray dann noch von Konzeptzeichnungen von Fantasia und auch seiner Fortsetzung Fantasia 2000, da der Film in vielen Ländern nur als Combopack mit beiden Filmen erscheint. Als kleines Extra wird hier auch noch Musik im Hintergrund gespielt, so dass es nicht ganz so langweilig ist, wenn man sich durch die Bildergallerien klickt. Man kann die Bilder hier aber auch automatisch und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durchlaufen lassen, was recht praktisch ist.
Insgesamt sind die Fantasia-Extras nicht übermäßig groß, aber dafür durchaus interessant. Man erfährt viele kleine Details über den Film und hat den Film nun in bester Ton- und Bildqualität. Außerdem hat man auch hier wieder die Option, den Film mit Disney-View anzugucken, welcher die schwarzen Ränder an den Seiten schön ausschmückt. So gesehen ist es eine durchaus gelungene Blu-Ray-Umsetzung, wenngleich der übliche Disneypreis hierfür etwas überzogen ist.